Manche trifft es wie ein Schlag: PSSM. Das eigene Pferd positiv! Seit den Zeiten von Impressive und HYPP hatte sich das Interesse an der Pferdegenetik etwas gelegt. Und jetzt das! Immer mehr Krankheiten kommen ans Licht… Und, wir können sicher sein, es ist kein Ende in Sicht!

Es gibt bestimmt noch viele Defekte im Erbgut, die in Zukunft als Ursache für bestimmte, vielleicht schon bekannte Krankheiten ausgemacht werden. Beim Pferd ebenso wie bei anderen Tierarten sowie dem Menschen!

Für Informationen zu den einzelnen Gedefekten lesen Sie entweder weiter oder klicken direkt auf den Gendefekt, zu dem Sie Details erfahren möchten.
Im Einzelnen sind es: PSSMGBEDHERDAHYPP

PSSM
Bei PSSM (Polysaccharide Storage Myopathy = Glucogen-Speicher-Störung) handelt es sich um eine degenerative Muskelerkrankung mit einer Störung im Kohlenhydrat-Stoffwechsel. Mehrfachzucker wird nicht verstoffwechselt sondern in den Muskelzellen gespeichert: amylaseresistente Einschlüsse entstehen. Betroffene Pferde magern trotz ausreichender Fütterung ab.

Pferde mit PSSM zeigen häufig eine eher ausgeglichene Psyche und eine ausgeprägte Muskulatur. Muskelbiopsien bei PSSM-Pferden zeigten eine 1,5 bis 4 mal höhere Glycogen-Konzentration im Muskel als bei gesunden Pferden.

Verbreitung
Forschungen in den USA und Australien zeigten PSSM zunächst bei Quarter-Horses, später auch bei Morgan-Horses, Warmblütern aber auch bei Kaltblütern.

Symptome

  • Kreuzverschlagsähnliche Symptome bis hin zum Festliegen
  • Abbau der Muskulatur an Rumpf, Schulter und Rücken
  • Wechselnde Lahmheiten
  • Probleme bzw. Widersetzlichkeiten beim Rückwärtsrichten
  • Schwitzen
  • Muskel-Schwellungen
  • Muskelzittern hauptsächlich im Bereich der Hinterhand
  • Krampf-Kolikartige Symptome
  • Reheähnliche Symptome
  • Abmagerung

Vererbung
Die PSSM wird dominant vererbt, das bedeutet, dass bereits ein betroffenes Allel zu dieser Erkrankung führt.
Die Schwere der Erkrankung nimmt jedoch noch zu, wenn das Pferd reinerbig für die Mutation ist, d.h. zwei betroffene Allele besitzt.

Für die Zucht heißt das:
Schon die Verpaarung eines einfachen PSSM-Träger mit einem gesunden Tier bringt zu 50% ein krankes Pferd!
Ein Gen-Test ist also zwingend erforderlich um die Zuchttauglichkeit des Tieres festzustellen. PSSM-Träger müssen aus der Zucht genommen werden.

Empfehlung
Verantwortungsvolle Quarter- und Paint-Züchter sollten ihre Stuten und Hengste testen lassen, um die weitere Verbreitung von PSSM einzudämmen!

GBED
Bei GBED fehlt den Fohlen ein Enzym (GBE), das zur regulären Glykogen-Synthese und Lagerung benötigt wird. Dadurch kann der Körper den Zucker nicht richtig verwerten. Die benötigte Energie für die Aufrechterhaltung der Funktion von Herz, Hirn und Muskeln fehlt deshalb.

Verbreitung
Man nimmt an, dass momentan etwa 10 % aller Quarterhorses GBED-Träger sind. Die Erkrankung wird auf King P234 und/ oder dessen Vater Zantannon zurückgeführt. Sie trat bisher nur bei Quarter Horses und Paints auf.

Symptome
Symptome von GBED (= dem Vorliegen des doppelten Gen-Defekts) sind systemische Entzündungen, Unterfunktion der Schilddrüse und deutliche, allgemeine Schwäche. Niedrige Körpertemperatur, beschleunigte Atmung, Krämpfe und verkürzte Sehnen sind weitere Symptome. Das Blut weist wenig weiße Blutkörperchen, einen geringen Blutzuckerspiegel und eine hohe Konzentration bestimmter Enzyme auf.
Die meisten Fohlen mit GBED (= dem doppelten Defekt) sterben, trotz intensiver Betreuung, noch bevor sie 8 Wochen alt sind.

  • Abort oder Totgeburt
  • Schwäche und niedrige Körpertemperatur des Fohlens bei Geburt
  • Unerwarteter Fohlentod durch Herzschwäche oder plötzlichen vollständigen Abfall des Blutzuckerspiegels
  • Hohe Atemfrequenz und schwache Atmungsmuskulatur des Fohlens
  • Verkürzte Sehnen an allen vier Gliedmassen des Fohlens

Vererbung
Die Erkrankung ist rezessiv, was bedeutet, dass beide Elterntiere Träger sein müssen damit ein krankes Fohlen geboren wird. Die Eltern haben selbst jedoch keine Symptome und sind gesund.
Die Wahrscheinlichkeit eines GBED-kranken Fohlens liegt bei 25 % wenn 2 Einzel-Genträger miteinander verpaart werden. Kreuzt man einen Träger mit einem Nichtträger, kommt mit 50 %iger Wahrscheinlichkeit zwar wieder ein Träger heraus, aber sicher kein GBED Fohlen.

Für die Zucht heißt das:
Die Verpaarung eines einfachen GBED-Trägers mit einem Nichtträger ist völlig problemlos. Das Fohlen ist immer gesund.
Um zu wissen ob es sich um Träger/Nichtträger handelt, ist ein Gen-Test unerlässlich.

Empfehlung
Verantwortungsvolle Quarter- und Paint-Züchter sollten ihre Stuten und Hengste testen lassen, um die weitere Verbreitung von GBED einzudämmen!

HERDA
Die Hauterkrankung HERDA (Hereditary Equine Regional Dermal Asthenia = Erblich Regional Begrenzte Hautschwäche) wurde erstmals 1978 bei Quarter Horses beobachtet.

Verbreitung
Es gibt Anzeichen dafür, dass der Gendefekt auf POCO BUENO zurück geht. Nena Winand, Forscherin auf der Cornell Unversität untersuchte ca. 4000 Pferde, bei denen die HERDA Quote bei 18 Prozent lag. Der Defekt breitet sich in den USA sehr rasch auch unter den Halter und Pleasure Horse Züchtern aus. Hier wurden bisher nur sehr wenige Pferde auf HERDA getestet.

Symptome
HERDA führt bei Doppel-Genträgern zu einer extrem empfindlichen und damit auch leicht verletzbaren Haut, meist entlang der Rückenlinie betroffener Pferde.
Ein Ausbruch der Krankheit lässt sich nicht oder nur sehr selten beim Fohlen voraussagen. Erste, massive Krankheitsanzeichen treten manchmal erst auf, wenn die Pferde eingeritten werden.
Eine Heilung gibt es nicht, betroffene Pferde sind unbrauchbar für den Reiteinsatz und müssen, wie die Universität Kalifornien berichtet, meist auch getötet werden.

Vererbung
Die Erkrankung ist rezessiv, das heißt Einzelgenträger für HERDA sind vollständig gesund.
Das Auftreten kranker Doppelgenträger lässt sich nur verhindern, wenn Einzelgenträger für HERDA nicht miteinander verpaart werden. In diesem Fall sind die Fohlen zu 25% krank, zu 25% gesund und zu 50% wieder symptomlose Träger.

Für die Zucht heißt das:
Die Verpaarung eines einfachen HERDA-Trägers mit einem Nichtträger ist völlig problemlos! Das Fohlen ist immer gesund.
Um zu wissen ob es sich um Träger/Nichtträger handelt, ist ein Gen-Test jedoch unerlässlich.

Empfehlung
Verantwortungsvolle Quarter- und Paint-Züchter sollten ihre Stuten und Hengste testen lassen, um die weitere Verbreitung von HERDA einzudämmen!

HYPP
HYPP (Hyperkalemic Periodic Paralysis Disease = Hyperkalemische Periodische Paralyse) ist eine unheilbare Stoffwechselkrankheit.
Durch einen Gen-Defekt ist das normale Öffnen und Schließen des Natriumionenkanals (ein kleiner Durchgang in der Membrane der Muskelzellen) gestört, so dass unkontrolliert Natriumionen passieren können. Das verändert die Spannung der Muskelzellen und verursacht unkontrolliertes Zusammenziehen oder Entspannen des Muskels.

Verbreitung
HYPP tritt ausschließlich bei Nachkommen des Quarter-Horse Hengsts Impressive auf. Der Gen-Defekt ist durch eine Mutation entstanden.

Symptome
Die klinischen Symptome von HYPP können sehr unterschiedlich sein. Pferde, bei denen ein Gen betroffen ist sind meist weniger stark erkrankt als Pferde, bei denen beide Gene betroffen sind.

  • Leichte bis sehr schwere Muskelkrämpfe
  • Anfälle von Muskelzittern und Schwäche
  • Lähmungsattacken bis Zusammenbruch
  • Atemgeräusche durch die Lähmung der oberen Luftwege
  • Hohe Konzentrationen von Kalium-Ionen im Blut

Bei idealer Versorgung des erkrankten Pferdes erscheinen oft keinlei Krankheitsanzeichen, aber Stress und/oder ein erhöhter Kalium-Ionen-Spiegel im Blut können Anfälle auslösen.
Es ist ungeklärt, warum manche Pferde Symptome zeigen und andere nicht. Leider kann ein Pferd, das selbst keine Symptome zeigt, die Krankheit vererben so, dass sie bei den Nachkommen wieder auftritt.

Vererbung
HYPP wird dominant vererbt, das bedeutet, dass bereits ein betroffenes Gen zu dieser Erkrankung führt.
Die Schwere der Erkrankung nimmt jedoch noch zu, wenn das Pferd reinerbig für die Mutation ist, d.h. zwei betroffene Gene besitzt.

Für die Zucht heißt das:
Schon die Verpaarung eines einfachen HYPP-Trägers mit einem gesunden Tier bringt zu 50% ein krankes Pferd!
Der HYPP-Test ist von der AQHA für Nachkommen von Impressive vorgeschrieben, wenn nicht beide Eltern bereits N/N getestet sind. Positive Pferde (HYPP/N oder HYPP/HYPP) dürfen zur Zucht nicht verwendet werden. Das Testergebnis ist auf den Papieren vermerkt.

Empfehlung
Nachkommen des Hengstes Impressive müssen sich einem HYPP-Test unterziehen.
Sind die Eltern bereits N/N getestet, erübrigt sich der Test beim Fohlen.